10 Dez, 2015

Digitale Patientenakte und das Telemedizin Gesetz - Quo vadis?

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Kommentar, Kundenservice, Gesundheit

Ende vergangener Woche hat der Deutsche Bundestag ein E-Health Paket zur digitalen Patientenakte und Telemedizin per Gesetz verabschiedet und damit an mehreren Fronten rechtlich den Weg frei gemacht für die digitale Vernetzung im Gesundheitswesen. Was heißt das konkret für Patienten und Unternehmen im Gesundheitswesen?

Endlich nützlich? Die elektronische Gesundheitskarte (eGK)

»Eine sichere digitale Infrastruktur verbessert die Gesundheitsversorgung und stärkt die Selbstbestimmung der Patienten«, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vergangene Woche. So nimmt der Bundesgesundheitsminister Ärzte, Industrie und Kassen in die Pflicht, seine Pläne für das digitale Gesundheitswesen umzusetzen. Vor allem die Elektronische Gesundheitskarte, die zu Beginn 2015 verpflichtend eingeführt wurde, soll endlich sinnvoll eingesetzt werden. Dass die aktuelle Karte, nach ganzen 15 Jahren Entwicklungszeit, nicht viel mehr als ihr Vorgänger kann, soll sich bald ändern. Das Gesetz legt bestimmte, sanktionierte Fristen fest, um den umfassenden Einsatz der Karte zu gewährleisten. Scheinbar hat man aus der Einführung des elektronischen Personalausweises gelernt – den kaum jemand mit dem vollen Potenzial nutzt.

Ab Mitte 2018 soll die Änderung und Überprüfung von Versichertenstammdaten auch online möglich sein. Ärzte werden ab dem 01. Juli 2018 sanktioniert, sollten sie diese Leistung nicht anbieten. Auch ein Medikationsplan soll ab 2018 von der eGK abgerufen werden können. Ebenfalls von der Karte verfügbar sein sollen ab 2018 einige wichtige Daten, wie Allergien oder Vorerkrankungen der Patienten – übrigens Funktionen die private Tech-Firmen seit geraumer Zeit für die persönliche Datensammlung bereits anbieten – z.B. Apple Health oder Samsung S Health oder das gescheiterte Google Health. Die EGK soll eine ähnliche Funktion bieten: das sogenannte Patientenfach. So sollen Patienten Zugriff auf ihre eigenen Daten haben und Daten von Wearables, tragbaren Smartwatches oder Fitnessarmbändern, importieren können. Ein Rückblick auf die Entwicklung digitaler Tools durch öffentliche Stellen in Deutschland macht den Blick darauf noch spannender. Bereits vor der Debatte im Bundestag gab es erste Gerüchte, der Zeitplan sei schon jetzt nicht mehr einzuhalten. Was für einigen Unmut bei den Krankenkassen sorgte – denn sie werden sanktioniert wenn die Umsetzungsfristen nicht eingehalten werden.

Doch was ist mit denen, um deren Wohl es eigentlich geht? Wie werden die Patienten auf die Möglichkeit der Datensammlung reagieren? Erste Studien zeigten bereits erhebliches Potential auf und zeigten, dass Patienten durchaus den Mehrwert einer digitalen Patientenakte sehen. Aktuelle Studien bestätigen, dass Patienten, unabhängig von Alter, Geschlecht und Einkommen, gerne Daten sammeln um dadurch fundierte Entscheidungen treffen zu können und dem Arzt eine breite Entscheidungsbasis zu schaffen. Ob sich diese Erfahrung jedoch auf den daten-sensiblen deutschen Markt übertragen lässt? Das hängt sicherlich stark davon ob, inwieweit die Sicherheit der Daten gewährleistet werden kann. Die Opposition ist jedenfalls vorgewarnt. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, warnte, dass die Regelungen zum Datenschutz nicht ausreichend seien.

Endlich nicht mehr warten? Die Online-Videosprechstunde

Das Gesetz sieht vor, die Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen ab April 2017 und die Online-Videosprechstunde ab Juli 2017 in die vertragsärztliche Versorgung aufzunehmen. Hier ist der explizite Nutzen des Patienten direkt ersichtlich. Wer nimmt sich schon gerne einen halben Tag frei, um dann im Wartezimmer eines Arztes zu sitzen? Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass fast 50 Prozent der Deutschen gerne eine Videosprechstunde nutzen würden. Um die Kompatibilität der verschiedenen, in Krankenhäusern und Arztpraxen eingesetzten Systeme zu gewährleisten, soll ein sogenanntes Interoperabilitätsverzeichnis erstellt werden um Standards transparent zu machen.

Die Videosprechstunde soll dann insbesondere Nachsorge- und Kontrolltermine vereinfachen. Dabei ist sie nicht nur für die Patienten eine Erleichterung. Das große Potenzial zur Optimierung der Behandlungsprozesse der Telemedizin macht sie und die Gesundheitstelematik zum Zukunftsgut.

Interessant ist der Vergleich mit anderen, vor der Digitalisierung stehenden Branchen. So wird die Videosprechstunde den direkten Arztkontakt sicherlich nicht ersetzen – aber effizient und zum Wohle des Patienten ergänzen können. Vergleichbar mit dem Vertrieb von Versicherungen. Ebenso wie die Erfahrung zur Verschlüsselung und Absicherung von sensiblen Patientendaten ihr Ebenbild in der Verhandlung von Finanz- oder Versicherungsprodukten findet.