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Kräftemessen mit Finanz-Einhörnern: Wie groß ist die Konkurrenz durch FinTechs?

Themen: Digitalisierung, Banken 23.09.15 10:00 0 Kommentare Amon Amon

Es gibt rund 200 Kreditinstitute in Deutschland. Dass für viele Finanzdienstleister Tradition und Konvention digitalem Neuland gegenüberstehen, ist nicht neu. Vielen fällt es allzu schwer, diese Entwicklung nicht nur zu erkennen, sondern auch umzusetzen. Mittlerweile sehen sich die mächtigen Riesen der Finanzbranche jedoch einer weiteren Dimension dieser Herausforderung entgegen: Financial Tech Unternehmen, kurz FinTechs.

Das größte und mit Abstand wertvollste dieser Finanz-Einhörner ist mit einem Wert von 49 Milliarden US-Dollar der FinTech-Riese Paypal aus San-José. Das Unternehmen ist damit nicht nur wertvoller, als die acht nachfolgenden FinTechs zusammen. Gemeinsam stellt die Konkurrenz auf dem Finanzmarkt mit einem Wert von zusammen 150 Milliarden US-Dollar die Bankenbranche in den Schatten der Innovationslosigkeit. Denn die jungen Unternehmen sind frisch und ideenreich, wendig und zudem äußerst disruptiv; was man den traditionsreichen Banken nicht zusprechen kann.

Quelle: Barkow Consulting

Müssen Banken Angst vor der neuen Konkurrenz haben?

Die FinTechs nutzen neue Geschäftsmodelle, die die Löcher des Finanzsektors stopfen. Diese Rückstände zu beheben, dauert von Seiten der Banken meist viel zu lange, wie das Beispiel des Online-Bezahl-Dienstes Paypal beweist: Seine Anfänge hatte das Unternehmen bereits zur Jahrhundertwende – aber damit, ein vergleichbares Angebot entgegenzusetzen, lassen deutsche Banken bis heute auf sich warten. Die Devise lautet: „Wir lehnen uns zurück, beobachten, was passiert – und handeln dann.“ Ein fataler Fehlschluss.

Kurze, schnelle Kredite aus dem Internet

Paypal stellt für Banken mit Sicherheit keine direkte Konkurrenz dar, wohl aber private Kreditgeber auf Plattformen wie Auxmoney, Lendico oder Bondora. Sie gewähren durch das Zusammenführen von Geldgebern und Privatpersonen auch denjenigen Kredite, die bei Banken keine bekommen würden. In Amerika ist das sogenannte „Crowdlending“ längst keine Randerscheinung mehr und dürfte auch europäische Banken in Bedrängnis bringen. Aber was macht FinTechs zu derartig rentablen Goldgruben?

FinTech-Startups denken anders, jung und innovativ. Es scheint, als hätten sie einen Radar für Finanzmarkt-Lücken, die sie mit ihren Software-Ideen decken können. Diese sind zumeist deutlich näher an dem Bedürfnis des Privatkunden nach Flexibilität, Individualität und Unabhängigkeit, als die der statischen Banken. Genau diese Bedürfnisse sind es jedoch, die das Kundenverhalten derzeit prägen. Die Frage, ob und wie Banken und FinTechs langfristig nebeneinander bestehen können, stellt sich derzeit so eindringlich, wie nie zuvor.

Der wunde Punkt des Finanzsektors

Wie Die Zeit bereits im März feststellte, ist das Privatkundengeschäft der empfindlichste Angriffspunkt der Banken. Zu lange waren sie mit ihren eigenen traditionellen Prozessen beschäftigt und damit, diese anzupassen. Dies kostet nicht nur eine Menge Geld, sondern zudem wertvolle Zeit, eine Strategie zu entwickeln, die die Innovationsfähigkeit der profitablen FinTechs einschließt. Denn mittlerweile versuchen Unternehmen wie CRX auch auf Unternehmensebene mit Banken zu konkurrieren, indem sie Zwischenfinanzierungen bei betrieblichen Beschaffungen durch private Auktionen überflüssig machen.

Anstelle der Frage, wie man das eigene Unternehmen wettbewerbsfähig macht, tritt für die Commerzbank inzwischen die des gegenseitigen Profitierens: Durch den eigens gegründeten Fonds CommerzVentures unterstützt und investiert die Bank in innovative FinTechs - und versucht im Gegenzug von deren Ideen zu profitieren.

Kein Entweder-Oder

Die Commerzbank und mit ihr auch die polnische Tochter mBank machen vor, was viele Banken noch nicht verstanden haben. Ersetzen werden FinTechs Banken auch langfristig nicht, zu komplex und umfangreich ist die unternehmerische Strategie. Doch bereits jetzt müssen sie mit Rückschlägen, deren Umdenken versäumt und der FinTech-Konkurrenz zugespielt wurde, kämpfen. Der Finanzsektor muss sich darauf vorbereiten, die Vorteile der Konkurrenz zu eigenen zu machen und damit den Begriff des Outsourcings im vollen Umfang zu begreifen. Was du selbst nicht gut kannst, lass andere, die es besonders gut können, machen: Effizienter und effektiver. 

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