Marcel Schmid

Marcel Schmid

Marcel is Co-Founder of Flexperto. He is responsible for Marketing and Finance at Flexperto. He also founded the Digisurance Conference, which is one of the major German conferences for digital innovation in the insurance industry.

2 Jun, 2015

Unser Roundtable: Versicherungen, Banken, die digitale Zukunft und warum Startups die richtigen Partner sind

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flexperto, Online-Beratung, Video-Verifikation

Im hub:raum, dem Berliner Epizentrum für junge Software-Startups, trafen sich vergangene Woche Experten aus Versicherungen und Banken zum 1. flexperto Roundtable.
In gemütlichem und konstruktivem Beisammensein diskutierten unter anderem Kai Schichtel von der Deutschen Telekom AG, Daniel Draenkow von der Berliner Sparkasse und Alfred Möckel, Investor und ehemaliger Vorstand des Investment-Banking Bereichs der Consors Bank, über Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung.

Unter den Experten besteht Einigkeit darüber, dass sich in Bezug auf die Digitalisierung etwas ändern muss. Bisher hat sich unter den Unternehmen, die erste Schritte in Richtung Digitalisierung wagen, noch kein Königsweg herausgebildet. Oftmals mangele es an fundiertem Wissen zum Umgang mit Social Media, der Auswahl der richtigen Kanäle und dem notwendigen Ressourcenumfang. Banken und Versicherungen versuchen daher durch Ausprobieren die richtige Strategie für ihre digitale Entwicklung zu finden. Wichtig sei stets, die Ergebnisse zu messen. „Man muss es eben machen, auch wenn schwer abzuschätzen ist, ob dieser Kanal tatsächlich kurzfristige Auswirkungen hat", sagt Hans Steup, ausgewiesener Social Media-Experte.

Video-Beratung ist die Zukunft

Die Experten stimmten überein, dass für Versicherungen und Banken kein Weg am Thema Video-Beratung vorbei führt.
Nikolas Sühr, Gründer des Versicherungs-Startups Kasko Drive und Sohn des Geschäftsführers der OCC Versicherung, sieht in der Video-Beratung vor allem die Möglichkeit das Servicegeschäft für Endkunden mit hohem Umsatzvolumen in Zukunft zu digitalisieren und zu verbessern und sich von den Wettbewerbern weiter abzugrenzen.
Fragwürdig war für Felix Anthonj, Gründer und CEO von flexperto, dass die Banken die Video-Beratung zuerst im Kundenservice implementieren. Gerade in diesem rentabilitätsgetriebenen Bereich führe die Videoberatung zwar zu einer Serviceverbesserung, jedoch ließen sich in anderen Bereichen deutlich bessere Returns on Investments erzielen. Ihm zufolge, können gerade bei komplexeren Produkten, zum Beispiel im Firmenkundengeschäft oder im Private Banking, erhebliche Einsparpotenziale erzielt werden und im Gegensatz zur Telefonberatung beispielsweise auch Finanzpläne via Bildschirmübertragung gemeinsam besprochen werden.

Video-Verifikation durch Startups

In Verbindung mit der Video-Beratung kam auch das Thema Video-Verifikation auf dem flexperto Roundtable zur Sprache. Der Markt hierfür ist im letzten Jahr rasant gewachsen: gab es vor einem Jahr noch wenig bis keine Anbieter für Video-Verifikation, so gibt es seit dem BaFin-Rundschreiben im letzten Jahr schon rund zehn Lösungen – mittlerweile auch von größeren Anbietern, wie der Deutschen Post. Diese Lösungen werden den Startup-Lösungen aber nicht unbedingt vorgezogen.
Grundsätzlich gibt es in der Banken- und Versicherungsbranche wenig Ressentiments gegenüber den Lösungen junger Unternehmen. Im Gegenteil. Der Name des Anbieters, sei es Video-Beratung oder –Verifikation, spielt nur eine kleine Rolle. Lösungen großer und renommierter Unternehmen sind sogar oft weniger nutzerfreundlich. Daniel Draenkow aus dem Vertriebsbereich Direkt der Berliner Sparkasse versichert, die Produkte müssten passgenau auf die Kunden zugeschnitten sein. Oberste Priorität habe es, die Bedürfnisse der Kunden abzudecken. Startups bieten oftmals innovative Lösungen.
Dass eine Kooperation mit einem Startup auch Risiken mit sich bringt, ist den Banken und Versicherungen klar. Gerade die Ungewissheit, ob ein junges Unternehmen in fünf Jahren noch existieren wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Einige Startups suchen daher bewusst nach Partnerschaftsmodellen mit der „Old Economy“. So kooperiert flexperto mit der Deutschen Telekom AG und bietet seinen Kunden daher nicht nur eine flexible Komplettlösung für die Digitalisierung von Beratungsleistungen, sondern auch die notwendige Sicherheit im Blick auf die Zukunft.

Ganz eindeutig konnte man in den Diskussionen feststellen, dass Banken und Versicherungen mittlerweile die Bedeutung der Digitalisierung erkannt haben, denn wie es Bill Gates formulierte: „Banking is necessary, banks are not“. Eigene automatisierte und gleichzeitig einfache Prozesse zu entwickeln, wie es das Startup Numbers26 gerade vormacht und von den großen Playern dafür große Bewunderung erfährt, ist für Banken allerdings meist schwer und mit einer langwierigen, kostenspieligen Entwicklungsphase verbunden.
Laut Felix Anthonj sollten sich Banken und Versicherungen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren, um den Customer Lifetime Value zu erhöhen, und bei der Entwicklung von Applikationen auf externe Lösungen vertrauen. Außerdem müsse die Beratungsleistung gestärkt werden, da neue Konkurrenten selten am Aufbau von riesigen Beratungsteams interessiert seien und ihren Erfolg vielmehr in skalierbaren Produkten suchten. Dass im einfachen Privatkundensegment für die großen Player immer weniger Potenzial liege, da hier die neuen Player mit automatisierten Prozessen nach und nach den Markt erobern, ist eine These, die Anthonj schon lange vertritt.

Wir freuen uns bereits jetzt auf den nächsten Roundtable mit interessanten Teilnehmern, spannenden Diskussionen und zukunftsweisenden Themen.